Adobe Analytics stellt Classification Rule Builder ein: Das ändert sich 2026 bei Classification Sets

Viele Nutzer von Adobe Analytics wissen bereits: Der Classification Rule Builder wird eingestellt und ist nach dem 31. August 2026 nicht mehr verfügbar. Adobe bündelt diese Funktion künftig in der neuen Classification Sets-Umgebung. 

Wir haben die neue Oberfläche bereits gemeinsam mit Kunden getestet und möchten unsere Erfahrungen aus der Praxis teilen: Was hat sich geändert? Was funktioniert bereits gut? Und wo merkt man noch, dass sich die Lösung weiterentwickelt?

Wenn Sie aktuell Ihre Migration planen, soll Ihnen dieser Überblick eine hilfreiche Orientierung geben.

Inhalt

Migration zu Adobe Classification Sets planen

Wer sollte bereits jetzt migrieren?

Auch wenn Adobe bestätigt hat, dass der Stichtag im August 2026 liegt, sollten Unternehmen, die stark auf Classifications für ihr Management- oder Executive-Reporting angewiesen sind, nicht bis zu einer erzwungenen Migration warten.

Insbesondere folgende Organisationen sollten eine frühzeitige Umstellung in Betracht ziehen:

  • Unternehmen mit mehr als fünf Report Suites
  • Organisationen mit komplexer Regex-Logik in ihren Klassifizierungsregeln
  • Teams, die auf die nachträgliche Verarbeitung historischer Daten angewiesen sind
  • Unternehmen mit strengen Governance- oder Compliance-Anforderungen

Häufige Risiken bei der Migration

Für Unternehmen, die Classifications stark in ihrem Business Reporting nutzen, besteht das Risiko fehlerhafter Auswertungen, wenn Regeln nicht korrekt übertragen werden.

Eine frühe Migration kann zudem dazu führen, dass Teams mit noch weiterentwickelten oder sich verändernden Plattformfunktionen arbeiten müssen, während Adobe die Backend-Prozesse weiter optimiert.

Wer die Migration zu lange hinauszögert, riskiert hingegen eine überhastete Implementierung unter Zeitdruck kurz vor Ablauf der Frist.

Planen Sie Ihre Migration? Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf Ihre Classification-Architektur werfen.

Wo man Classification Sets in Adobe Analytics findet

Die neue Funktionalität wurde in Adobe Analytics in den Bereich Components → Classification sets verschoben. Sobald Sie Classifications in den Report Suite Settings erstellen, erscheinen diese automatisch in der Liste der Classification Sets – sie müssen also nicht erneut angelegt werden.

Es gibt jedoch ein wichtiges strukturelles Detail:

  • Jede Report Suite erhält ihr eigenes Classification Set.
  • Wenn Sie eine Classification für mehrere Report Suites erstellt haben, sehen Sie entsprechend mehrere Einträge in der Liste.
  • Stand Februar 2026 müssen Regeln weiterhin für jedes Set separat konfiguriert werden.

Das sollten Sie insbesondere dann berücksichtigen, wenn Sie mehrere Report Suites verwalten, da dadurch der operative Aufwand steigen kann.

Classifications erstellen: Alte vs. neue Oberfläche

Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten, Classifications zu erstellen:

1. Über die Report Suite Settings (Legacy-Weg)

Classifications erscheinen automatisch in den Classification Sets.

2. Direkt über die Classification Sets-Oberfläche (empfohlen)

Hier wird es besonders interessant. Wenn Sie Classifications über die neue Oberfläche erstellen, können Sie:

  • mehrere Report Suites gruppieren
  • Regeln gebündelt erstellen
  • Governance zentraler verwalten

Unsere Empfehlung:
Erstellen Sie neue Classifications möglichst direkt über die neue Oberfläche. Dadurch reduzieren Sie später den Migrationsaufwand und stellen sicher, dass Ihre Implementierung bereits der zukünftigen Architektur entspricht.

Änderungen bei Regeln in Adobe Classification Sets

Was ändert sich bei Regeln in Adobe Classification Sets?

Obwohl der Import von Classifications schon seit einiger Zeit möglich ist, sind Rules die eigentliche Neuerung innerhalb der Classification Sets. Laut der Adobe-Dokumentation haben Sie derzeit drei Optionen:

  • Bestehende Legacy-Regeln migrieren
  • Neue Regeln erstellen
  • Die Legacy-Oberfläche weiterhin nutzen

Wenn Sie sich für die Migration bestehender Regeln oder das Erstellen neuer Regeln entscheiden, weist Adobe ausdrücklich darauf hin, dass Legacy-Regeln künftig eingestellt werden. Das ist nachvollziehbar – schließlich braucht es eine einheitliche „Single Source of Truth“.

Aus Governance-Sicht ist das daher eine sinnvolle Entwicklung.

Was ist neu in der Rules-Oberfläche?

Die Rules-Oberfläche ist intuitiv aufgebaut und deutlich übersichtlicher gestaltet.
Eine besonders leistungsstarke neue Funktion ist:

Multi-Classification Regex

Damit können Sie nun eine einzelne Regex-Regel erstellen, die mehrere Classifications gleichzeitig erfasst.

Das kann die Anzahl einzelner Regeln deutlich reduzieren und die Wartung vereinfachen. 

Das automatische Aktivierungsverhalten könnte jedoch zusätzliche Governance-Kontrollen erfordern und wird von Adobe möglicherweise künftig noch angepasst. Grundsätzlich funktioniert es wie erwartet – dennoch wäre es hilfreich, vor der Aktivierung noch einmal genauer zu prüfen, ob die Regel wirklich wie gewünscht greift.

Regeln testen: Eine kleine UX-Hürde

Die Testfunktion funktioniert grundsätzlich – allerdings gibt es ein kleines Detail in der Bedienung: Bevor Sie einen Test ausführen können, müssen Sie zunächst auf „Save Rules“ klicken. Andernfalls lässt sich der Test nicht starten. Das ist nur ein kleiner Stolperstein, kann jedoch Teams während QA- oder Migrationsphasen leicht verwirren.

Verarbeitung und Performance bei Classification Sets

Lookback (Loopback) Processing

„Perform lookback“ entspricht dem früheren Loopback-Fenster. In unseren Tests (13. Februar 2026) erscheint diese Einstellung zwar in der Benutzeroberfläche, ihr Verhalten ist jedoch nicht immer vollständig konsistent. Möglicherweise befindet sich die Funktion im Backend noch in einer Phase der Stabilisierung – dennoch lohnt es sich, diese Funktion im Blick zu behalten, insbesondere wenn Sie stark auf die nachträgliche Verarbeitung historischer Daten angewiesen sind.

Performance von Adobe Classification Sets: Sind sie wirklich schneller?

Adobe hebt kürzere Verarbeitungszeiten als einen der größten Vorteile hervor. In unserem Testfall im Februar 2026:

  • ca. 1.000 Zeilen
  • Daten aus dem Vormonat
  • vollständige Klassifizierung angewendet

Verarbeitungszeit: weniger als eine Stunde

Das ist deutlich schneller als viele Verarbeitungszyklen im bisherigen Rule Builder. Für Unternehmen, die regelmäßig Classification-Updates durchführen, kann das operative Verzögerungen spürbar reduzieren.

Aktuelle Einschränkungen (Stand: Februar 2026)

Auch wenn die Oberfläche deutlich modernisiert und benutzerfreundlicher gestaltet wurde, gibt es noch einige kleinere Besonderheiten, die typisch für eine frühe Entwicklungsphase sind:

  • Regeln müssen weiterhin pro Classification Set (also pro Report Suite) erstellt werden
  • Das Verhalten der Lookback-Funktion sollte noch klarer validiert werden
  • Die sofortige Aktivierung ohne gestufte Veröffentlichung kann zusätzliche Governance-Maßnahmen erfordern

Keiner dieser Punkte stellt einen echten Showstopper dar – sie sollten jedoch bei der Planung des Rollouts berücksichtigt werden.

Fazit: Sollten Sie jetzt migrieren?

Die kurze Antwort: Da die Einstellung für 2026 bestätigt ist, ist eine Migration nicht mehr optional. Die gute Nachricht: Der Übergang ist gut zu bewältigen – vorausgesetzt, er wird strategisch geplant.

Classification Sets sind klar die Zukunft des Classification-Managements in Adobe. Die Oberfläche ist übersichtlicher, Regeln sind flexibler und die Verarbeitung scheint schneller zu sein. Es gibt noch kleinere Unschärfen – was in Übergangsphasen ganz normal ist – aber nichts, was die Vorteile überwiegt.

Wenn Sie mehrere Report Suites oder komplexe Klassifizierungslogiken verwalten, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um:

  • Ihre aktuelle Nutzung des Rule Builders zu überprüfen
  • Neue Classifications bereits in der neuen Oberfläche anzulegen
  • Rule-Performance und Governance-Prozesse zu testen

Mit Blick auf die Außerbertriebnahme im August 2026 kann eine proaktive Migration später Zeit sparen und Risiken reduzieren.

Maria Shashaeva

Maria ist Senior Analytics und Martech Consultant bei Up Reply. Sie ist darauf spezialisiert, Geschäftsstrategie und technische Umsetzung miteinander zu verbinden und entwickelt skalierbare Tracking-Frameworks für Adobe Analytics und Google-Plattformen. Maria unterstützt Unternehmen beim Aufbau governancebasierter Analytics-Umgebungen, die fundierte, datengestützte Entscheidungen ermöglichen.

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